Funktionelles Training (Teil 1)

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Der Urmensch musste damals lernen, sich in seiner Umgebung schnell und sicher fortzubewegen. Elementare Fähigkeiten, wie Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer, Koordination  und Präzision waren überlebensnotwendig. Die zunehmende Technisierung und Automation unserer heutigen Gesellschaft bewirkt eine extreme Einschränkung für natürliche „effiziente Fortbewegung“.

„Alles was nicht genutzt wird, verkümmert, was gestützt wird, schwächt ab. Dies trifft auf sämtliche Bereiche, Funktionen und Organe des Körpers zu.“

Heutzutage haben sich die Umstände geändert. Wir haben gelernt, mit technischen Hilfsmitteln unsere Umgebung an unsere Bedürfnisse anzupassen. Die geringen Bewegungsanforderungen in unserem Alltag erlauben es uns, relativ komfortabel unser tägliches Leben zu bewältigen. Wenn jedoch in unserer High-Tech-Gesellschaft die Technik versagt und unser Körper über das gewohnte Maß hinaus gefordert wird, wird schnell deutlich, wie weit sich der Mensch von den natürlichen Bewegungsformen entfremdet hat.

Die Natürlichkeit der Bewegung

Klettern, Laufen, Springen, Schwimmen, Tragen, Aufheben usw. ist ein komplexes Zusammenspiel von Muskeln. Jede dieser natürlichen Bewegungen haben wir intuitiv im Kindesalter gelernt, aber als Erwachsener größtenteils schnell wieder verlernt.

„Wenn Leben Bewegung ist, begünstigt die Förderung der Bewegung das Leben.“

Deshalb ist es wichtig, natürliche Bewegungsformen wieder zu erlernen. Herkömmliche Fitness-Studios, also Orte an denen man eigentlich Bewegungsmangel entgegenwirken möchte, haben sich jedoch bisher in eine völlig andere Richtung entwickelt. Sie sind vollgepackt mit Maschinen und High-Tech Equipment, die nicht für natürliche und eigengesteuerte Bewegungen, sondern  ausschließlich für isoliertes Training einzelner Muskelgruppen ausgelegt sind. Der Kunde hat also keine Möglichkeit, seine körperlichen Fähigkeiten funktionell zu trainieren oder zu verbessern, die für das alltägliche Leben und auch für sportliche Erfolge unabdingbar sind.

Funktionelles Training – Kinetische Kettenreaktion

Funktion bedeutet so viel wie Sinn oder Zweck. Funktionelles Training kann demnach als zweckmäßiges Training bezeichnet werden. Im Gegensatz zum klassischen Krafttraining, bei dem isoliert Muskeln trainiert werden, liegt der Fokus beim funktionellen Training auf dem Üben von komplexen Bewegungsformen, die  den Anforderungen des Alltags oder spezifischer Sportarten entsprechen. Um Bewegungsabläufe im Alltag oder Sport auszuführen, nutzen wir sogenannte kinetische Muskelketten. Das Konzept der kinetischen Kettenreaktion betrachtet alle an der Bewegung beteiligten Gelenke und Muskeln und beschreibt, wie diese zusammenspielen, um eine komplexe Bewegung auszuführen. Das Entscheidende dabei ist, dass nicht allein die Muskeln trainiert werden, sondern vordergründig die Bewegungsabläufe, an denen sie beteiligt sind.

Funktionelles Training ist ein zweckorientiertes Training mit dem Ziel, dass alle an einer Bewegung beteiligten Gelenke und Muskeln sog. „Muskelschlingen“  optimal zusammenarbeiten. 

So finden sich Kernbewegungen, die in beinahe allen Sportarten vorkommen wie Laufen, Springen, Hüpfen und Drehen als Grundelemente im funktionellen Training wieder. Für den Breitensportler stehen Bewegungen des täglichen Lebens wie Aufstehen, Aufrichten, Heben, Gehen und Tragen im Vordergrund. Von großer Bedeutung in allen Sportarten oder Alltagsbewegungen ist auch die Stabilisation von Gelenken und insbesondere der Rumpfmitte, dem Körperkern (auch Core genannt), um von einer stabilen Mitte heraus optimal agieren zu können.

Wenn traditionelles Krafttraining auf diese Kernelemente hin überprüft wird, so erfüllt es die Anforderungen an ein funktionelles Training nicht. Die Bewegungen an einer Maschine beschränken sich meist auf nur ein Gelenk und die Stabilisationsarbeit wird durch eine sitzende oder liegende Übungsausführung nicht gefordert. Dies entspricht unter physiologischen Ansatzpunkt kaum einer Bewegungsform in einer speziellen Sportart oder im Alltag.

Die geforderte Mehrgelenkigkeit und Stabilisationsarbeit macht klar, weshalb die Übungen losgelöst von klassischen Kraftgeräten ausgeführt werden.

Aber auch spezielle Gleichgewichtsübungen mit instabilen Unterlagen zur Sturzprophylaxe, Verbesserung von Propriozeption und der Gleichgewichtsschulung erfüllen die  Anforderungen an ein funktionelles Training nicht. In welcher Alltags- und Sportsituation wird auf einem instabilen Untergrund agiert? Für fast alle Bewegungsformen ist ein mehr oder weniger hoher Grad an Stabilität erforderlich. Unser neuromuskuläres System ist nämlich auf Bewegungen mit stabilen Untergründen adaptiert.

Falls euch das interessiert hat, dann verpasst Teil 2 nicht. Dort geht es um wissenschaftliche Grundlagen und methodische Trainingsformen beim funktionellen Training.

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