Dänemarks Fettsteuer- die Lösung gegen Übergewicht? Ein Experteninterview

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Gerade hat Dänemark eine Fettsteuer erhoben, nach der seit letzem Samstag  Hersteller von Nahrungsmitteln in dem skandinavischen Land 16 Kronen (2,15 Euro) pro Kilo gesättigter Fettsäuren  abführen müssen. Seitdem wird heiß darüber diskutiert, ob diese Maßnahme auch eine Lösung für das wachsende Übergewicht in Deutschland sein kann. JUMPandRUN.eu hat nachgefragt und sich dabei an die Ernährungsexpertin Maike Nestle gewandt.

Frau Nestle, wie stehen Sie als Ernährungsexpertin persönlich zu der neu in Dänemark eingeführten Fettsteuer?
Ich halte die Fettsteuer für ungeeignet, das Ernährungsverhalten der Menschen langfristig zu verbessern. Übergewicht entsteht auch nicht nur durch zu fettes Essen, sondern allgemein durch zu kalorienreiches Essen in Verbindung mit zu wenig Bewegung und Sport. Es gibt außerdem jede Menge Lebensmittel, die kein oder wenig Fett enthalten und trotzdem nicht gesund sind. Da wären z.B. gezuckerte Limonaden und Gummibärchen zu nennen. Beide enthalten viel Zucker, viele Kalorien, machen nicht satt, aber liefern praktisch keine Vitamine und Mineralstoffe. Das sind einfach Kalorienbomben! Natürlich ist es nicht schlimm, ab und zu zu naschen. Wie immer gilt: Die Menge entscheidet darüber, ob etwas gut und bekömmlich oder ein Dick- und Krankmacher ist.

Glauben Sie, dass eine Fettsteuer die Menschen in einem Land zu einer bewussteren und gesünderen Ernährung bringen kann?
Nein. Was unser Essen kostet, ist nur ein Faktor unter ganz vielen Faktoren, die alle miteinander darüber bestimmen, was und wie viel wir essen. Wir essen z.B. Schokolade, weil die Werbung dafür verlockend ist, weil wir uns mit etwas Süßem belohnen wollen oder weil wir gestresst sind. Dagegen mögen wir z.B. keinen Brokkoli, weil unsere Eltern uns gezwungen haben, immer das Gemüse aufzuessen, als wir klein waren oder weil Papa bei Tisch immer gesagt hat: „Igitt, das Grünzeugs schmeckt doch nicht!“

Halten Sie die Einführung einer Fettsteuer in Deutschland für notwendig? Welchen Ansatz vertreten Sie, um dem Trend der zunehmend Fettleibigkeit gerade bei Kindern und Jugendlichen entgegen zu wirken?
Nicht nur in Dänemark, sondern auch in Deutschland sind viele Menschen, darunter auch immer mehr Kinder und Jugendliche übergewichtig. Wir brauchen Maßnahmen, um Übergewicht bei der Bevölkerung zu vermindern und zu verhindern. Ich glaube allerdings nicht, dass eine Fettsteuer hier weiter hilft.
Übergewicht entsteht immer dann, wenn jemand mehr Kalorien isst, als er verbrennt. Es gibt also stets zwei Punkte, an denen man ansetzen sollte: Das eine ist, sich bewusst gesund und nicht zu kalorienreich zu ernähren. Daher ist es wichtig, Kindern und Jugendlichen nahe zu bringen, was eine gesunde Ernährung ausmacht, dass gesundes Essen lecker schmeckt und fit macht. Das andere ist, sich jeden Tag genug zu bewegen. Kinder sind eigentlich von Natur aus bewegungsfreudig. Wenn ein Kind laufen lernt, ist es so begeistert von der neuen Fähigkeit, dass es den ganzen Tag laufen will. Meistens sind dann eher die Erwachsenen diejenigen, die den Bewegungseifer zu stoppen versuchen. Denn Kinder vor dem Fernseher sind leichter zu beaufsichtigen als Kinder, die auf der Straße spielen. Außerdem wird von Kindern erwartet, dass sie in der Schule still sitzen. Es wäre also nötig, Kindern Bewegung dort zu ermöglichen, wo sie im Moment eher unterdrückt wird, z.B. in der Schule oder auch im Straßenverkehr. Viele Eltern fahren ihre Kinder lieber mit dem Auto, weil sie Angst haben, dass die Kinder mit dem Fahrrad oder zu Fuß verunglücken könnten oder schlicht aus Zeitdruck, weil es schneller geht.

Haben Sie zum Abschluss noch einen Tipp für unsere JUMPandRUN.eu User?
Wer gesund und fit bleiben will, braucht keine besondere Diät, sondern sollte lediglich ein paar Grundregeln für eine gesunde Ernährung beachten: Gesunde Ernährung fängt mit den richtigen Getränken an. Optimal sind z.B. kalorienfreie Durstlöscher wie Mineralwasser und Tee. Mit viel frischem Obst und Gemüse tut man sich immer etwas Gutes. Hier lautet die Faustregel: 5 Portionen pro Tag. Außerdem ist es vorteilhaft, solche Lebensmittel auszuwählen, die gut satt machen, also z.B. Müsli, Vollkornbrot, Kartoffeln. Denn wer lange satt ist, isst zwischendurch weniger. Etwas Fett darf durchaus auch sein. Nüsse und pflanzliche Öle wie Raps- und Olivenöl sind gesund und enthalten wichtige Nährstoffe. Milch, Joghurt und Käse sollten jeden Tag auf den Speiseplan. Das Calcium darin stärkt die Knochen. Eine Portion Fisch pro Woche liefert wichtiges Jod. Eier und Fleisch müssen nicht unbedingt sein, aber wer es mag, kann sich pro Woche 2-3 Eier und 2-3 Portionen Fleisch, am besten Geflügel, gönnen. Naschen ist erlaubt! Wer sich insgesamt ausgewogen ernährt, darf sich ab und zu ein Stück Schokolade oder Kuchen schmecken lassen.

Einen herzlichen Dank an Maike Nestle für Ihre Zeit und hilfreichen Ratschläge!

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